Dienstag, 11 Februar 2020 00:42

Vorgezogene Ausbaugenehmigung für Giftstofflager der Fa. PLG in Bad Harzburg

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Na und? Was ist daran so schlimm? Passiert doch alle Tage…

Doch was sich als zunächst als 08-15-Meldung liest, könnte sich als besonders brisantes Ereignis erweisen!

Die Fa. PLG mit Hauptsitz in Baddeckenstedt betreibt in Bad Harzburg seit 2016 ein großes Chemikalienlager. Ohne Umweltverträglichkeitsprüfung vom Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig genehmigt, soll es nun noch deutlich erweitert werden. Das Schema der Vorgehensweise folgt dem Erfolgsrezept von damals:
Vorgezogene Genehmigung des GAA, bautechnisch schon gestartet, quasi als Fait accompli, man schafft Tatsachen.
Vielleicht spukt in den Köpfen der Verantwortlichen ja folgende wenig charmante Begründung: Existiert erst einmal ein Scheißhaufen, kann man doch noch einen dazulegen…

PLG

Gelagert werden u.a. toxische Pflanzenschutzmittel und andere Chemikalien. Die neue Gesamtlagerkapazität soll zukünftig 22.764 Tonnen betragen. Lagergrundstück sei Bad Harzburg, Gödeckekamp 7, Gemarkung Harlingerode, Flur 23, Flurstück 29/6. Dort sollen die Stoffe gelagert, umgeschlagen und kommissioniert werden. Für die Erweiterung soll eine neue Halle mit drei neuen Lagerabschnitten errichtet werden.
Die Lagerkapazität von akut toxischen Stoffen soll verzehnfacht werden.
Unter Einhaltung der Lagerkapazität von 22.764 Tonnen für gewässergefährdende Stoffe soll laut BUND die Lagerkapazität von toxischen Stoffen oder Gemischen bestimmter Gefahrenkategorien von 199 auf 1.000 Tonnen erhöht werden, die Lagerkapazität von akut toxischen Stoffen oder Gemischen der Kategorie 1 oder 2 innerhalb der Lagerkapazität von 1.000 Tonnen von bisher unter 20 auf 200 Tonnen erhöht werden und die Lagerung oxidierender Flüssigkeiten oder oxidierender Feststoffe mit einer Lagerkapazität von 320 Tonnen neu hinzukommen. Mit dem Betrieb der Anlage soll im Juli 2020 begonnen werden.

Was veranlasst einen grünen Bürgermeister + Ratsmehrheit einer Stadt zu dem Plan, in ein Gewerbegebiet einer touristisch geprägten Region ausgerechnet einen solchen Betrieb anzusiedeln, ihn darüber hinaus extrem aufzublähen? Warum den Ruf einer Stadt als „Perle des Harzes“ derart massiven Gefahren aussetzen? Warum Einwohner und Natur ohne Not gefährden?

Pro:

  • Grundsteuer
  • Einige Arbeitsplätze
  • Geringe Gewerbesteuer (das meiste fließt in den Hauptsitz nach Baddeckenstedt ab)

Bitte setzen, die Liste der Negativ-Faktoren ist lang:

Contra:

Bitte lesen Sie hierzu "Auszug aus einem von vielen Widerspruchsschreiben", siehe Anhang         -

Leider ging im Jahre 2016 die Baugenehmigung still und leise, ohne bemerkenswerte Öffentlichkeit und mit nur geringer Gegenwehr des BUND über die Bühne. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung des GAA wurde durch genaue Konzeption über Ausmaß und Kapazität umgangen. Der Bau, man höre und staune, auch damals schon durch eine vorgezogene Baugenehmigung legalisiert, wurde früh in Angriff genommen.

Obwohl 99 Einsprüche von besorgten und/oder betroffenen Bürgern vorliegen und man über deren Berechtigung noch nicht von Amts wegen entschieden hat, scheint die Erweiterung beschlossene Sache. Die Vorgehensweise birgt gering ausgeprägtes Taktgefühl. Das Amt wirkt, wie auch schon in 2016, eher wie ein wenig wählerisches Wirtschaftsförderunternehmen als ein Kontrollorgan.

Halten wir fest:

  • Ein Störfall in diesem Betrieb, der Mensch und Natur nachhaltig zerstören könnte, ist auch bei bester Vorsorge prinzipiell nicht auszuschließen.
  • Die Auswahl des Standortes in einem Karstgebiet mit permanenter Gefahr von Erdfällen ist fahrlässig
  • Die Vorteile, die Bad Harzburgs Bürger aus einer Erweiterung dieses Betriebes ziehen könnten, erreichen noch nicht einmal marginale Dimensionen.
  • Die Einsprüche der Bürgerschaft scheinen für die Entscheidung des GAA nicht wichtig zu sein.
  • Versicherungstechnische Fragen als Folge von Störfällen sind längst nicht geklärt.
  • Eine verantwortungsvolle Aufklärung aller Nachbarn (inklusive Windrichtungsbetroffene, Gewässernetzbetroffene…) ist nur unzureichend bis nicht erfolgt .
  • Die Zuständigkeiten im Havariefall sind nicht restlos geklärt
  • Rettungs-Schutzkonzepte sind unvollständig

Auszug aus den Kritikpunkten des BUND

Warum hochgiftige Pestizide völlig legal auf deutschen Feldern landen.

GZ am 20.02.2020: Jetzt kommen Argumente auf den Tisch: Bei einem Erörterungstermin diskutieren PLG und Bürger über die Gefahrstofflagerung-Erweiterung bei Harlingerode

GZ am 21.02.2020: Einwender bleiben der Erörterung fern: Dritter Verhandlungstag zur Gefahrstofflager-Erweiterung bei Harlingerode endet bereits nach einer Stunde

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ab 19:30 min !

Gelesen 685 mal Letzte Änderung am Montag, 16 März 2020 12:34
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